Der Kreis schließt sich – zurück an die DS Shanghai

Eurocampus: Die Deutsche Schule in Shanghai Hongqiao. Foto: Jochen Klein

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben, heißt es. Und irgendwie stimmt das auch in diesem Fall. Andererseits war ich irgendwie auch nie richtig weg. Jetzt kandidiere ich für den Vorstand. Aber eins nach dem anderen …

Obwohl ich die Deutsche Schule im Jahr 2016 als meinen langjährigen Arbeitgeber verlassen hatte, bin ich ihr in vielerlei Beziehung verbunden geblieben. Nach meinem Ausscheiden bin ich in den Schulverein eingetreten, über die Webseite und Freunde und Bekannte, die noch an der Schule gearbeitet haben, habe ich die weitere Entwicklung beobachtet, und weil ich weiterhin in Shanghai gelebt und gearbeitet habe, gab es natürlich auch immer wieder einmal Berührungspunkte. Nun bin ich „ganz“ wieder zurück: Seit dem letzten Jahr arbeitet meine Frau im Kindergarten am EuroCampus in Quingpu und unsere kleine Tochter besucht die Kita.

Ich habe als Vater mit einem Kind in der Einrichtung keine grundsätzlich andere Perspektive auf die Schule. Auch weil ich mich während meiner Zeit als Kommunikationsleiter in alle meine Zielgruppen hineinversetzt habe und im intensiven Austausch mit allen stand – eben natürlich auch mit den Eltern, die am Ende des Tages der Träger der Schulen sind. Trotzdem haben Eltern noch einmal andere – und zu oft zu wenig – Einblicke in die Arbeit der Schule und ich erfahre jetzt sozusagen von der anderen Seite meines Schreibtischs noch einmal, wie wichtig meine damalige Arbeit für die Eltern tatsächlich gewesen ist.

Schwierige Entwicklung

Nun ist es leider so, dass der Schulverein aus vielerlei Gründen – dazu gehören außer denen, die ich in einem anderen Beitrag schon einmal angesprochen habe, zum Beispiel die Auswirkungen von COVID-19 und allgemeine wirtschaftliche Entwicklungen – mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat. Es geht um Finanzfragen, die richtige Strategie, Grundsatzentscheidungen und Weichenstellungen für die Zukunft. Natürlich ist es in solchen Situationen schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Interessen aller zu berücksichtigen. Der derzeitige Vorstand hat deshalb keinen leichten Stand. Er steht aber zum Beispiel aufgrund einiger Entscheidungen, die zumindest zum Teil nicht satzungskonform und anderen, die wegen suboptimaler Kommunikation nicht für alle nachvollziehbar oder bei allen angekommen sind, teilweise wohl auch zu Recht in der Kritik.

Klar ist, dass die Vorstandsarbeit an der Deutschen Schule nie ein Selbstläufer und zu keinem Zeitpunkt ein Spaziergang war. Nur ein professionell agierender Vorstand, der Schulvereinsfragen klar von pädagogischen Fragen trennt und in seiner Rolle als gewählte Vertretung der Schulvereinsmitglieder klar zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Schulleitungen und allen anderen Akteuren der Schulgemeinschaft steht, – neben den Eltern und den Kindern zählen dazu auch alle Mitarbeiter – kann das komplexe Gefüge aus Schulverein und Schulstandorten immer wieder auf den richtigen Weg bringen. Anders gesagt: Es geht bei der Vorstandsarbeit (idealerweise) nicht um Einzelinteressen oder Egoismen, sondern immer um das Ganze. Der Vorstand muss sich mit Fragen auseinandersetzen, für die es meistens keine einfachen Antworten gibt. Oft muss man Kompromisse eingehen, oder mit Unsicherheiten in Entscheidungen leben, die auf der Basis von unsicheren Annahmen getroffen werden. Und immer gibt es von irgendeiner Seite Kritik, weil eben nicht alle Einzelinteressen bedient werden können. Es gibt sicher dankbarere Jobs. Trotzdem haben sich immer wieder Eltern gefunden, die sich ehrenamtlich im Vorstand engagiert und unendlich viel Zeit, Arbeit und persönliches Engagement in den Schulverein investiert haben. Für die Bildung ihrer Kinder. Zumindest die meisten.

Kandidatur für den Vorstand

So auch ich. Letzte Woche habe ich meine Kandidatur bekannt gegeben, nachdem ich mir die Satzung noch einmal sehr genau angeschaut und auch mit dem Vorstand geklärt habe, ob meine Kandidatur satzungskonform ist, weil meine Frau an der Schule beschäftigt ist. Da meine Frau nicht an den Vorstand berichtet, gibt es keinen Interessenkonflikt. Das war das Go! Ich weiß aus meiner Zeit, dass wir einen vergleichbaren Fall tatsächlich auch einmal im Vorstand hatten und dass das keinerlei Probleme gemacht hat. Aber am Ende hängt natürlich alles an Personen, und das damalige Vorstandsmitglied konnte seine Rolle als Vorstand sehr professionell von der des Ehemanns einer Mitarbeiterin der Schule trennen. Das ist zugegebenermaßen genauso wenig selbstverständlich wie die Trennung von der Vorstands- und der Elternrolle bei pädagogischen Fragen, aber alle Vorstandsmitglieder sollten sich darüber im Klaren sein, das genau diese konsequente Trennung die Basis für erfolgreiche Vorstandsarbeit ist. Alle anderen Voraussetzungen für die Kandidatur bringe ich auch mit – einschließlich der Mitgliedschaft im Schulverein. Das soll, wie man hört, nicht bei allen aktiven Vorständen der Fall sein und das wäre dann tatsächlich nicht satzungskonform und mehr als fraglich. Den Schulverein entgegen der eigenen Satzung und damit letzten Endes gegen die Interessen der Schulvereinsmitglieder, von denen man gewählt wurde, zu leiten, schiene mir dann doch – sehr vorsichtig ausgedrückt – kein zukunftsträchtiges und ein eher zu kurz gesprungenes Modell zu sein. Ich denke, dass die Thematik während der nächsten Mitgliederversammlung offen gelegt und geklärt wird. Denn wenn es stimmt, dass einzelne Vorstandsmitglieder nicht im Schulverein sind, wäre der Vorstand möglicherweise nicht legitimiert. Und das würde bedeuten, dass man prüfen müsste, ob nicht alle Entscheidungen, die unter Mitwirkung eines Nicht-Mitglieds im Vorstand getroffen wurden, auf den Prüfstand gehören. Aber ich bin kein Jurist. Die Mitgliederversammlung wird zeigen, was stimmt und wie es weitergeht.

Ich kenne die Schule aus allen Perspektiven

Mich für die Zukunft des Schulvereins mit seinen beiden Schulen als exzellenten Bildungsort für unsere Kinder – für die, die schon da sind und die, die noch kommen – einzusetzen, ist auch meine Motivation, mich um einen Sitz im Vorstand zu bewerben. Ich möchte mit meinen Mitteln daran mitwirken, die DS Shanghai als herausragende deutsche Auslandsschule mit deutscher, aber eben auch starker deutsch-chinesischer (dazu gehöre ich auch) Eltern- und Schülerschaft, als beispielgebenden Bildungsort, aber auch Arbeitgeber, und als ein kleines Stück Heimat in Shanghai für die Schulgemeinschaft zu erhalten.

Ich glaube, dass ich einen bescheidenen Teil dazu beitragen kann, die Schule auf Kurs zu halten, beziehungsweise wieder auf Kurs zu bringen. Neben der grundsätzlichen professionellen Erfahrung, die ich mitbringe, kommen mir die tiefen und übergreifenden Einblicke an der Schule sicher zu Gute. Ich kenne die Schule aus Eltern- und aus Mitarbeiterperspektive; ich habe mit unterschiedlichen Schulleitungen und Vorständen zusammengearbeitet, tiefe Einblicke in ihre Arbeit erhalten und gemeinsam mit ihnen die ein oder andere Krise gemeistert; ich habe mit Schülern und unzähligen Pädagogen gemeinsam zahlreiche Projekte abgewickelt. Und ich habe alle Höhen und Tiefen der DS Shanghai seit der Eröffnung des ersten EuroCampus in Qingpu über die Gründung des zweiten Standorts in Pudong bis zum Baubeginn in Yangpu aktiv begleitet und die Entwicklung des Schulvereins intensiv miterlebt.

Die DS Shanghai und die wilde 13

Mit 13 Kandidaten gibt es in diesem Jahr so viele Eltern, die sich um einen Sitz im Vorstand bewerben, wie nie zuvor. Darunter sind viele, die – auch aus meiner Perspektive – sicher zumindest genauso gut geeignet sind, wie ich. Am Ende werden die Eltern entscheiden und ich bin gespannt, wie das Rennen ausgeht. Natürlich kandidiere ich nicht zum Spaß, ich möchte in den Vorstand, weil ich etwas bewegen will. Vorstandsarbeit – so wie ich sie sehe – ist vor allem eine Verpflichtung der gegenwärtigen, aber auch künftigen Schulgemeinschaften gegenüber, die exzellente Bildungsarbeit, die diese Schule immer ausgezeichnet hat, zu gewährleisten, aber auch die Zukunftsfähigkeit des Schulvereins zu gestalten. Genau das will ich. Weil mir die Schule immer noch – und wahrscheinlich immer – am Herzen liegt. Aber wenn sich die Eltern für andere Kandidaten entscheiden, die das auch wollen und vielleicht sogar besser umsetzen können, soll mir das auch recht sein. Wichtig ist das Ergebnis. Es geht um das Ganze und den Mut zur Veränderung.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

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